1400 km Autobahn bis an die Nordspitze Dänemarks: Teil I

(Kommentare: 0)

Obwohl es schon fast 17 Uhr ist, als wir die Ladestation bei Leonberg wieder verlassen, halten wir an unserem heutigen Etappenziel "Kassel" fest. Wir müssen ja nicht zwingend einen Campingplatz anfahren. Eine Raststätte oder auch nur ein Autobahnparkplatz würde vollauf genügen. Unsere Zuversicht ist zwar deutlich gestiegen, aber noch ist nicht erwiesen, ob unser Plan wirklich aufgeht. Bisher haben wir auch viel Glück mit dem Verkehr gehabt. Wenn es einen Stau gab, dann immer auf der Gegenseite. Aus eigener Erfahrung weiss ich aber, dass sich das blitzschnell ändern kann. Die nicht endenwollenden Staumeldungen auf deutschen Autobahnen sind berüchtigt.

Das Ab- und Wiederankuppeln des WW klappt bei jedem Ladestopp immer besser und dauert kaum noch eine Minute. Zudem stellen wir fest, dass man aufgrund der Anordnung der einzelnen Ladesäulen an den Superchargerstationen häufig direkt an die Ladesäule fahren kann, ohne den WW abzuhängen. Manchmal braucht es halt ein wenig Geschick beim Manövrieren (v.a. rückwärts aus einem PP raus), aber das funktioniert eigentlich sehr gut, da das Gespedal des Tesla sehr feinfühlig ist und der Elektromotor absolut ruckfrei arbeitet (selbst aufwärts). Klar kommt uns auch entgegen, dass nur wenige Andere zur selben Zeit laden.

Zweieinhalb Stunden und knapp 180 km später passieren wir Würzburg und fahren bereits den zweiten Ladestandort "Gramschatzer Wald" an. Diesmal beträgt die Restreichweite nur noch 30 km. Trotzdem hatten wir uns keine Sekunde lang Sorgen gemacht, ob wir es noch bis dahin schaffen würden. Das Navi des Tesla rechnet so zuverlässig und exakt, dass man sich voll darauf verlassen kann. Das Windschattenfahren zahlt sich aus. Die LKW's erzeugen einen so grossen Sog, dass bis zu 25% weniger Energieverbrauch möglich sind. Da die meisten LKW 88 bis 90 km/h (gemäss Tachoanzeige) fahren, passt das ausgezeichnet zu unserem Gespann mit einer zulässigen Höchstgeschwindigkeit von 80 (wie die LKW eigentlich auch). Unser Hund (Aurel mit Namen) fetzt förmlich über den LKW Parkplatz. Er hat so Freude, mal wieder frei laufen zu können. Das bestätigt uns einmal mehr, dass der Rhythmus von zwei bis drei Stunden Fahrt und Pausen von 30 bis 60 Minuten optimal für uns passen. Nach einem kleinen Imbiss und ausgeruht verlassen wir nach 20 Uhr den Standort wieder. Zwei Drittel der geplanten Tagesetappe liegen bereits hinter uns, ohne dass es zu irgendwelchen Problemen gekommen wäre.

Auf der Autobahn ist es recht ruhig geworden. Hinter den LKW's kümmert uns der Krieg auf den Überholspuren herzlich wenig. Zielstrebig steuern wir gut zwei Stunden und 160 km später unseren dritten Ladestandort "Maisfeld" mit über 60 km Restreichweite an. Dieser liegt auf einem Autohof mit gut ausgebauter Infrastruktur in unmittelbarer Nähe zur Autobahn. Unsere Mägen lassen verlauten, dass der Burger King aufzusuchen sei. Zwar hätten wir unser Tagesziel jetzt erreicht, aber da ich mich weiterhin voll fit fühle (und sowieso Langstrecken am liebsten nachts fahre), beschliessen wir, die Gunst der Stunde zu nutzen und noch das deutsche Mittelgebirge zu durchqueren. Mit unserem "alten" Auto wäre dies zur Qual geworden, denn die Steigungen sind happig und lang, aber das Elektrofahrzeug kümmert das nicht im Geringsten. Bisher haben wir recht konstant einen Verbrauch von durchschnittlich 360 bis 380 Wh/km gehabt. Jetzt steigt der Verbrauch etwas an (auf durchschnittlich 410 bis 430 Wh/km). Die Effizienzvorteile des Elektromotors treten nun gnadenlos ans Tageslicht: Während ein Verbrenner am Berg weit ausserhalb seines optimalen Betriebspunkt sinnlos viel Treibstoff verbrennt und auf der Talfahrt nichts davon zurückgewinnen kann, kommt beim Elektromotor nur die zusätzliche potentielle Energie hinzu, um den Höhenunterschied zu bewältigen. In der Gesamtrechnung sind es im Endeffekt hauptsächlich die Rekuperationsverluste, da wir uns ja nach dem Gebirgszug wieder ungefähr auf derselben Höhe über Meer befinden wie zuvor, die potentielle Energie also gleich Null ist.

Am 4. Ladepunkt in Rhüden um 1:45 Uhr nach 120 km Fahrt mit 156 km Restreichweite haben wir zum 1. Mal nicht abkuppeln müssen (nur ein bisschen zirkeln, da die Ladekabel der Supercharger sehr kurz sind). Eine ganze Ladebucht gehört uns alleine. Immer noch nicht müde geworden, überzeuge ich meine Frau Hamburg möglichst noch diese Nacht zu passieren. Das wären dann über 800 km Tagesstrecke...

Zurück

Kommentare

Einen Kommentar schreiben

Bitte rechnen Sie 1 plus 3.