Mittelnorwegen

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Unterdessen haben wir mehr als 3000 km mit unserem eGespann zurückgelegt. Bisher gibt es keinerlei Pannen oder sonstigen Gründe, die uns veranlassen könnten, auf unseren Entscheid (Umstieg auf Elektromobilität) zurückkommen zu müssen. Alle angefahrenen Ladestationen haben stets funktioniert und bieten mehr Anschlussleistung als unser Fahrzeug überhaupt aufnehmen kann (rund 140 kW). An den Rhythmus der notwendigen Ladepausen haben wir uns gewöhnt, denn es gibt immer etwas einzukaufen oder über die weitere Route zu beraten. Zudem kann an unserem 24-jährigem Wohnwagen immer mal wieder etwas repariert oder optimiert werden. Unser Hund freut sich über jeden Stopp und tauscht jeweils gerne Nachrichten aus. Häufig ist das Auto bereits wieder zur Weiterfahrt bereit, bevor wir selber alles erledigt haben. Nur selten müssen wir den Wohnwagen mal abkuppeln.

Da Mittelnorwegen deutlich ländlicher als der Süden geprägt ist, wirkt sich das auch auf die Anzahl und Dichte der verfügbaren Ladeorte aus. So laden wir manchmal früher als es eigentlich notwendig wäre. Übrigens ist auch die Dichte an Tankstellen für fossile Treibstoffe viel geringer und in kleinen Ortschaften muss man diese richtiggehend suchen, da sie meist nur aus einer einzigen Säule bestehen. Praktisch nie gibt es Hinweisschilder für e-Tankstellen. Wenn dann noch das Navi den exakten Standort nicht kennt, wirds mit dem Gespann manchmal etwas mühsam. Zum Glück ist in der Regel genügend Platz vorhanden, so dass wir halt einfach mal mittendrin stehenbleiben und uns zu Fuss auf die Suche machen.

Ganz Norwegen ist von Gebirgen durchzogen. Dementsprechend sind die Strassen nicht eben, sondern weisen teilweise starke Steigungen und Gefälle auf (dasselbe gilt für die diversen Tunnelanlagen unter dem Meer hindurch). Hier fühlt sich der Elektroantrieb so richtig wohl. Souverän meistert er jede Steigung und talwärts speist er einen Grossteil der Energie wieder zurück in die Batterie. So können wir unseren Verbrauch zwischen 35 und 42 kWh je 100 Kilometer halten, was in etwa vier Liter Benzin entspricht.

Viele norwegische Wörter ähneln mehr oder weniger den deutschen Pendants und mit etwas Phantasie kann man einen Grossteil der Strassenschilder recht gut interpretieren. Das ist sogar einfacher als in Frankreich oder Italien, obwohl man diese Sprachen besser kennt.

In Norwegen gibt es nur ganz wenige Autobahnen im Süden des Landes. Die als Europastrassen gekennzeichneten Hauptstrassen sind vielfach relativ breit und werden zudem kontinuierlich ausgebaut. Da Platz hier kein Thema ist, sind die Baustellen für einen einzigen Tunnel derart riesig, dass ein ganzes Dorf darin verschwinden würde. Wer bisher geglaubt hatte, dass die Schweizer Weltmeister im Tunnelbau sind, wird hier schnell eines Besseren beleert. Auf manchen Strecken ist man bis zu 40% in Tunneln unterwegs und diese sind zu einem guten Teil fünf bis neun Kilometer lang. Der längste Strassentunnel der Welt bringt es sogar auf fast 25 Kilometer. Auch die Brückenbauten sind überaus sehenswert und optisch gut in die Landschaft integriert. Überhaupt scheinen die Norweger deutlich pragmatischer im Strassenbau zu sein. Die Tunnelwände sind in der Regel unbehandelt, das heisst blankes Gestein, und minimalistischer Ausbau, an der Sicherheit hingegen wird nicht gespart. Da leuchten sogar Warnschilder auf, wenn gerade ein Velofahrer im Tunnel unterwegs ist. Bei heiklen Baustellen werden Leitfahrzeuge eingesetzt (wie in der Formel 1). Geduld ist gefragt, Wartezeiten von 10 bis 20 Minuten sind völlig normal. Und passt man nicht auf, kann man schon mal an einer Nachtsperrung hängenbleiben (die einzig mögliche Umleitung war dann vor 30 bis 40 km signalisiert).

Will man noch mehr von der grossartigen Landschaft sehen, sollte man gelegentlich die Europastrassen verlassen um Küstenstrassen zu befahren. Das sind häufig derart schöne Strecken, dass es einem fast den Atem verschlägt. Und wenn es mal nicht die Aussicht ist, dann sicherlich die grössere Anzahl Unebenheiten und Schlaglöcher... Diese Strassen sind wesentlich enger und vielfach auch nur einspurig mit Ausweichbuchten. Vorausschauendes Fahren ist äusserst wichtig, sonst bleibt der Wohnwagen garantiert an einer der unendlich vielen Felswände hängen! Weniger praktisch sind die fehlenden Lademöglichkeiten auf diesen Strecken. Auch kann sich ein Ladestandort schon mal auf einer Baustelle befinden und Mann darf dann mit dem Gespann rückwärts wieder hinauszirkeln. Einmal müssen wir tatsächlich den Wohnwagen parkieren und einen Standort nur mit dem Auto aufsuchen. Mit -7 km (!) Restreichweite erreichen wir dann den Superchargerstandort in Fauske.

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