Südnorwegen
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Allen Unkenrufen zum Trotz, Elektroautos seien ja so brandgefährlich, dass sie bald von den Fährgesellschaften nicht mehr zugelassen würden, können wir und viele andere problemlos mit unserem eFahrzeug in den riesigen Bauch der Fähre einfahren, nachdem wir erstmal Bauklötze gestaunt haben, wieviel Dutzend LKW darin einfach verschwunden sind. Dank des Hundemodus wird die Temperatur im Auto stundenlang stabil gehalten und so können wir unseren Hund beruhigt in seiner Box zurücklassen. In den skandinavischen Ländern sind Hunde zwar grundsätzlich willkommen, aber nicht überall darf man sie mitnehmen. So etwa in Restaurants, Aufenthaltsbereiche von Fähren, etc. Die Überfahrt selbst ist ruhig und angenehm, kein einziger Brandalarm geht los und gut drei Stunden später betreten (sprich befahren) wir zum ersten Mal norwegische Strassen. Wir sind im gelobten Land der Elektromobilität angekommen! Der Anteil BEV’s, also rein elektrisch angetriebener Fahrzeuge, ist schon auf dem Hafengelände spürbar höher als in der Schweiz, Deutschland oder Dänemark. Plötzlich kommen wir uns mit unserem eGespann nicht mehr so exotisch vor.
Nach einer kurzen Nacht auf einem freien Stellplatz irgendwo am Rande von Kristiansand nehmen wir unsere 1. Fahretappe auf norwegischem Boden in Angriff. Da wir nach dem letzten Ladestopp in Dänemark noch etwas die Gegend erkundet hatten, reicht die Restkapazität der Batterie nicht mehr ganz aus, um zuerst den südlichsten Punkt Norwegens anzufahren und danach noch den nächsten Superchargerstandort zu erreichen. So entschliessen wir uns, zum ersten Mal auf dieser Reise eine Ladestation eines anderen Anbieters aufzusuchen. Diese ist gleich nach einer Tankstelle platziert und bietet sechzehn Ladesäulen. Sieht alles topmodern aus und ist sogar so konzipiert, dass man auch mit einem Gespann ohne abkuppeln laden kann. Nun kommt der gewichtige Unterschied: Während Ladestandorte von Tesla grundsätzlich mit Plug and Charge funktionieren, muss man hier erstmal eine Ladeapp starten. Bei der ersten gespeicherten App kann ich mich an die Zugangsdaten nicht mehr erinnern, die zweite App kennt diesen Standort nicht (obwohl es bei allen Apps immer heisst, dass man an x-zehntausend Standorten in ganz Europa damit laden könnte). Da hier, wie bei uns leider auch meistens, Kartenzahlung nicht möglich ist (so ein Kartenterminal muss ja ein Vermögen kosten), bin ich etwas unschlüssig was ich jetzt machen soll, bis mir wieder einfällt, dass Ladesäulen normalerweise mit einem QR-Code versehen sind. So ist es auch hier. Handy draufhalten und flugs lande ich auf der Webseite des Betreibers (in norwegischer Sprache). Nach der Eingabe meiner Daten (inklusive derjenigen der Kreditkarte) kann der Ladevorgang endlich starten. Alles in allem hat es rund 20 Minuten gedauert (am Supercharger benötigen wir für die Vorbereitung kaum mehr als 20 Sekunden). Kurze Zeit später können wir unsere Reise fortsetzen.
Am südlichsten Punkt Norwegens gibt es auf einem der Parkplätze wie selbstverständlich mehrere AC-Ladesäulen. Wie wir im Laufe der Reise noch feststellen werden, ist dies an vielen touristischen Hotspots üblich. Überhaupt sind die Parkiermöglichkeiten überall in Norwegen extrem grosszügig ausgestaltet. Man merkt, dass die Norweger liebend gerne ihr eigenes Land mit wirklich grossen Wohnmobilen oder Wohnwagen bereisen. Vor fast jedem Haus steht so ein entsprechendes Gefährt.
Nebst der traumhaft schönen und einsamen Gegend wird die Fahrt zum geplanten Ladeort dann noch in ganz anderem Sinne interessant, denn die Restreichweite schmilzt schneller, als die noch zu fahrende Distanz. Offensichtlich wird dem hügeligen Gelände bei der Berechnung zu wenig Beachtung geschenkt. Schliesslich erreichen wir den Ladeort mit neun Kilometer Restreichweite, das knappste Resultat bisher. Aus der "Wildnis" kommend stehen wir plötzlich auf einem grossen Parkplatz mit diversen Einkaufsmöglichkeiten rundherum. Auch dies ist typisch norwegisch, denn das Land ist ausserhalb der relativ wenigen Zentren nur spärlich besiedelt. Selbst bei relativ kleinen Ortschaften mit vielleicht 5000 bis 20000 Einwohnern gibt es grosse Industrie- und Einkaufsgebiete, wo alle wichtigen Ketten vertreten sind. Hier sind auch immer ein oder mehrere Ladestandorte angesiedelt.
In Stavanger erleben wir dann noch eine weitere Überraschung: Direkt am Hafen wurde ein grosses Parkhaus errichtet, in dem ein Superchargerstandort integriert ist. So können wir die hippe und farbenfrohe Altstadt zu Fuss erkunden, während unser Fahrzeug geladen wird. Als wir das Parkhaus wieder verlassen wollen, kennt der Parkomat unsere Autonummer nicht (in Norwegen wird praktisch überall die Autonummer via Kamera erfasst). Obwohl es bei der Ausfahrt keine Schranken gibt, traue ich mich nicht einfach hinauszufahren. Nach einigem Hin und Her sowie Laden von zwei weiteren Apps (wovon die Erste wohl nur für Einheimische zu sein scheint), riskieren wir die Ausfahrt. Und siehe da, auf dem Bildschirm am rechten Rand erscheint eine Meldung, dass die Parkgebühr beglichen sei. Also alles bestens. Einmal mehr der Beweis, dass in Skandinavien die Digitalisierung deutlich weiter fortgeschritten ist als bei uns und vor allem auch einwandfrei funktioniert. In der Schweiz hätten wir sicherlich erstmal drei Supportstellen kontaktieren müssen, die uns letztendlich doch nicht hätten weiterhelfen können.
Übrigens treten dieselben Erkennungsprobleme auch auf Fähren auf. Mutmasslicher Grund: Praktisch auf allen europäischen Autokennzeichen ist das Landeskürzel ersichtlich, nur auf Schweizer Nummernplatten nicht. Ein kleiner Gruss an die verantwortlichen Behörden mit der Bitte, unsere Kennzeichen entsprechend anzupassen, dann klappts vielleicht auch mal mit der Digitalisierung...
Bei einem Ladestopp an einem Standort ausserhalb des Superchargernetzwerks müssen wir dann eine weitere Ladeapp installieren (diese lässt sich dann sogar auf Deutsch umschalten). Innerhalb von nur noch rund zehn Minuten startet der Ladevorgang...
Wir reisen kreuz und quer durch den westlichen Teil von Südnorwegen. Obwohl wir vorsichtiger geworden sind und nun früher Ladestopps einlegen, kommen wir am Supercharger in Røldal nur noch mit zwei Kilometer Restreichweite an. Andauender Nieselregen und ein ziemlich heftiger Schlussanstieg ins Skigebiet kosten uns die gesamte Reserve. Ausser einer anzeigten Limitierung der Maximalleistung von immer noch über 200 kW fährt uns der Tesla ohne jegliches Murren bis zum Ziel.
Eine detaillierte Liste aller Ladestopps mit den wichtigsten Angaben werde ich in einem separaten Beitrag präsentieren.
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10. Ladestopp (an einer norwegischen Ladestation) -
Ladestationen am Leuchtturm Lindesnes -
Eine Ladestation bei einem kleinen Einkaufszentrum in Vikeså -
12. Ladestopp am Superchargerstandort Vikeså -
Separater Parkbereich mit Ladestationen am Parkplatz Preikestolen -
13. Ladestopp am Superchargerstandort Stavanger (im Parkhaus) -
15. Ladestopp am Superchargerstandort Røldal -
16. Ladestopp am Superchargerstandort Norheimsund -
18. Ladestopp am Superchargerstandort Voss (ausnahmsweise Wohnwagen abkuppeln müssen) -
19. Ladestopp am Superchargerstandort Lærdal -
22. Ladestopp am Superchargerstandort Ørskog (Extraplatz für Gespanne!)
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