Planung

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Aus diversen Berichten geht hervor, dass sich die Reichweite von Elektroautos beim Ziehen eines Wohnwagens ungefähr halbiert. Somit ist eine vorausschauende Planung der Ladestopps sehr wichtig. Für den überwiegenden Teil der Strecke können wir das Superchargernetz von Tesla nutzen, einzig im hohen Norden von Finnland und Schweden dürften die Abstände zwischen den einzelnen Ladepunkten teilweise etwas zu gross sein. Voraussichtlich werden wir rund 8000 km im Anhängerbetrieb zurücklegen, was etwa 40 bis 50 vollen Ladezyklen entspricht. Um die Traktionsbatterie nicht unnötig zu belasten, habe ich den Wohnwagen mit einem Autarkpaket nachgerüstet.

Unsere Route soll uns via Deutschland (rund 1000 km), Dänemark (rund 400 km) nach Norwegen führen. Hier werden wir der Westküste folgen und bis zum Nordkap 3500+ km zurücklegen. Für den gesamten Hinweg stehen uns knapp 5 Wochen zur Verfügung. Für den Rückweg werden wir einen direkteren Weg via Finnland und Schweden (gut 2000 km) bis Göteborg wählen. Von hier wollen wir mit der Fähre nach Kiel reisen, um den letzten Teil der Reise nach Hause (gut 900 km) etwas ausgeruhter angehen zu können. Den gesamten Rückweg müssen wir innerhalb von maximal 11 Tagen bewältigen.

Norwegen ist der Schweiz bezüglich Elektromobilität rund 7 Jahre voraus. Der überwiegende Teil der Neufahrzeuge sind Steckerfahrzeuge. Somit kann davon ausgegangen werden, dass Lademöglichkeiten praktisch überall vorhanden sind. Über den Ausbaustandard der öffentlichen Ladeinfrastruktur in Dänemark, Finnland und Schweden wissen wir ziemlich wenig, gehen aber davon aus, dass es auf den Hauptstrecken ausreichend Lademöglichkeiten gibt.

Meine bereits gemachten Erfahrungen mit Verfügbarkeit und Funktionsfähigkeit von Ladestationen in Deutschland sind dagegen ziemlich durchzogen. Entlang der Hauptachsen gibt es mehrheitlich keine Probleme, abseits davon befindet man sich hingegen schnell in einer Ladewüste. Da wir sowohl auf dem Hin- als auch Rückweg die schnellste Verbindung (nahezu 100% Autobahnen) nehmen werden und zumindest das Superchargernetzwerk dicht genug ist, sollte es auch hier zu keinen Problemen mit Lademöglichkeiten kommen.

Den Wohnwagen haben wir mit einem Autarkpaket nachgerüstet: Ein 100 Ah LiFePo Akku, welcher von 2x 150 W PV-Modulen (mobil, d.h. nicht fest verbunden) gespiesen wird, bildet das elektrische Rückgrat. Die Doppelflaschen-Gasanlage wurde mit einer Duo-Control ergänzt, so dass der Kühlschrank während der Fahrt mit Gas betrieben werden darf und kann. Mit diesen Massnahmen können wir den Energiebezug vom Zugfahrzeug (letztendlich aus der Traktionsbatterie) auf das Notwendigste reduzieren.

Bereits eine kleine Testfahrt zeigte deutlich auf, dass der cW-Wert des Wohnwagens demjenigen einer Betonwand ähnelt:

  • Hinweg mit Netto-Höhendifferenz von 100 m und Gegenwind: rund 52 kWh / 100 km
  • Rückweg mit Netto-Höhendifferenz von -100 m und Rückenwind: rund 32 kWh / 100 km

Folglich dürfte somit das Windschattenfahren hinter LKW's die Reichweite deutlich erhöhen. Wie relevant dies ist, wollen wir während der 1000 km langen Fahrt auf deutschen Autobahnen herausfinden.

Ausser der massgefertigten Hundebox musste am Zugfahrzeug nur der fehlende CCS Adapter nachgerüstet werden. Die ersten Tesla Generationen hatten nur einen Typ2 Ladeanschluss, über den an Superchargern Gleichstromladen möglich ist. Dieses proprietäre Ladekonzept hat Tesla später zugunsten des CCS Steckers aufgegeben und die neuen Supercharger werden nur noch mit CCS Stecker ausgerüstet. Da wir durchaus noch mit schwierigen Strassenverhältnissen rechnen müssen, je nördlicher wir kommen, bleiben auf dem Zugfahrzeug die Winterreifen drauf und am Wohnwagen wurden neue Winterreifen montiert. Sicher ist sicher... Beim Wohnwagen haben wir das Fahrwerk samt Bremsen prüfen lassen, so dass nicht plötzlich festgehende Bremsen den Energieverbrauch in die Höhe treiben (natürlich abgesehen vom Sicherheitsrisiko allgemein bei einer defekten Bremsanlage).

Eine kleiner aber finanziell nicht ganz unwichtiger Punkt: Für Norwegen sollte man sich frühzeitig für die Strassennutzungsgebühren (Maut, aber auch Fähren, etc.) registrieren, da es für Elektrofahrzeuge diverse Ermässigungen gibt. Umfassende Informationen zu diesem Thema findet man im Internet (z.B. beim Nordlandblog).

Eine gute Planung ist bereits die halbe Miete: Getreu diesem Motto haben wir uns intensiv mit der Routenführung auseinandergesetzt und zumindest alle Superchargerstationen entlang der geplanten Route in den Karten vermerkt. Natürlich sind diese auch im eingebauten Navigationssystem des Tesla gelistet und in der Regel wird man auch gut hingeführt. Bei einer möglichen Reichweite von 180 bis bestenfalls vielleicht 250 km verlasse ich mich definitiv nicht nur auf Computer und Software. Vor allem nicht in einem mir völlig unbekannten Terrain! Ob diese Doppelspurigkeit Zeitverschwendung, hilfreich oder gar notwendig ist, wird sich auf der Reise sicher bald zeigen...

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